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Bookdump 03/2021

Foto vom Buchregal

Bücher, die ich in 2021 seit meinem letzten Bookdump gelesen habe:

  • Roger Federer, David Foster Wallace. Ein 106 Seiten schlankes zweisprachiges Buch, das im ersten Teil die deutsche Übersetzung, und im zweiten Teil das englische Original bietet. Ich kann die Begeisterung Andrea Petkovics für Wallace jetzt durchaus nachvollziehen.
  • Puccini Tosca, Michael Horst. In Vorbereitung auf ein Konzert habe ich mir diese 134 Seiten reingezogen.
  • GrazRand, Adina Camhy, Robin Klengel, Coline Robin, Markus Waitschacher. Die 4 AutorInnen sind die 65,92km lange Grenze um Graz zu Fuß gefolgt und haben dies auf 143 Seiten dokumentiert. Ein sehr plaktatives Beispiel dafür, wie stark unsere Gesellschaft die Themen Verbauung und Autoverkehr priorisiert. Sehr schönes Projekt, danke.
  • Nachts unter der steinernen Brücke, Leo Perutz. Perutz hat an diesem historischen Roman über 25 Jahre lang geschrieben. In den 269 Seiten geht es in 14 Erzählungen rund um die Zeit um 1600, gestaltet in einer fantastischen Sprache.
  • Souverän investieren mit Indexfonds & ETFs, Gerd Kommer. Die fünfte Auflage (Danke an S. fürs Borgen!) hat 411 Seiten, und es geht grundsätzlich um Indexfonds wie ETFs (Exchange-traded Funds), aber auch Einblicke in Themen wie Regression zur Mitte, Diversifikation, Buy-and-hold-Strategie, Efficient Market Theorie (bzw. Markteffizienzhypothese), 72er Regel, Factor-Investing, Faktor-Prämien mit Small-Size- und Value-Effekt und Momentum-Faktor, Humankapital, Low-Cost-Buy-and-Hold-Indexing-Strategie, Rebalancing und den von Kommer geprägten Begriff des Weltportfolios. Kommer schreibt dabei gegen aktiv gemanagte Fonds, und klärt einige Mythen und Falschinformationen auf (speziell rund um Gold- und Immobilien, aber auch Sunk Costs und Crashes). Der Fokus des Buchs liegt auf Deutschland, der Großteil lässt sich aber auch als ÖsterreicherIn verwenden. Speziell die ersten 3/4 des Buches fielen für mich aber in die Kategorie “dieses Lesen ist Arbeit”, erst die letzten 4 Kapitel ab Seite 319 wurden dann praxisrelevanter.
  • Mein Beethoven – Leben mit dem Meister, Rudolf Buchbinder. Auf 221 Seiten beschäftigt sich der Musiker Buchbinder mit den Werken und dem Leben Beethovens. Als LeserIn erfährt man von geschichtlichen Zusammenhängen (speziell rund um Kaiser Napoleon und Erzherzog Rudolph), aber auch persönlichen Beziehungen Beethovens zu den Musikern Johann Sebastian Bach, Carl Czerny, Mozart, Joseph Haydn und Franz Liszt, sowie zu den Schriftstellern Grillparzer und Goethe. Bisher gänzlich unbekannt war mir die Künstlerin Dorothea von Ertmann. Es gibt einen Einblick in Beethovens Familiengeschichte (speziell zu seinem Neffen Karl), und in den Themenkomplex von Interpretation (u.a. Tempobezeichnungen und “geeichte” Metronome, aber auch Manuskripte sowie Notensatz-Fehler in vorzeitigen Veröffentlichungen), Verlegertum (spez. Breitkopf & Härtel), sowie Beethovens Taubheit und Leberzirrhose. Leider wieder ein Buch ohne Personenregister und Index. Auch das Zielpublikum ist mir nicht ganz klar, weil es einerseits durchaus Musiktheorie-Kenntnisse (speziell bezüglich Tempo- und Stilbezeichnungen) und Kenntnis der Musikstücke voraussetzt, andererseits für Musik- und Beethoven-Kenner in Summe zu oberflächlich bleibt. Trotzdem ein schöner Ausflug zu Beethoven und rund ums 18. Jahrhundert.
  • Die Raststätte, Florian Werner. Ein lesenswerter Ausflug auf 159 Seiten an die Autobahnraststätte Garbsen Nord, mit einem Blick auf Sanifair-Toiletten, Lastwagenfahrer, Autobahnpolizei, Flaschensammler, Notfallseelsorger und einen Exkurs in die Botanik mit Jürgen Feder.
  • Die Leichtigkeit des Schweren, Klaus Reichert. Der vierte Band aus den Grazer Vorlesungen zur Kunst des Schreibens handelt auf 105 Seiten von der Kunst des Übersetzens. Dass dabei nicht nur ein Wort in ein anderes übersetzt wird, sondern ein Sprach- und Kultursystem in ein anderes (so auch der Semiotiker Charles Saunders Peirce). In Summe ein ambivalenter Gesamteindruck, aber durchaus interessante Einblicke in die Sprache rund um Adorno, Celan, Joyce, Shakespear,… und die Biographie und Arbeit eines renommierten Übersetzers.
  • Inside Facebook, Sheera Frenkel + Cecilia Kang. Auf 376 Seiten gibt es einen Einblick in die Unternehmenskultur Facebooks und den Inner Circle von Zuckerberg. Es geht um Zuckerbergs enge Perspektive (Money-Quote: “Ich werde nie die Zeit haben, das zu lesen” – die Antwort Zuckerbergs, als er ein Buch übergeben bekommt), seine fehlende Perspektive über die amerikanische Sicht der Dinge hinaus, das fehlende Verständnis für politische und kulturelle Dynamiken, aber auch seine angebliche Skrupellosigkeit zugunsten der Expansion seiner Firma. Es gibt geschichtliches rund um Themen wie den Like-Button und Datenschutz, aber auch sehr traurige Themen wie die Überwachung der eigenen MitarbeiterInnen, Enthüllungen rund um die Präsidentenwahl von Trump und Clinton, die Geschichte hinter dem Open-Graph-Plugin und den damit verbundenen Skandal um Cambridge Analytics, die Ausschreitungen in Myanmar, und wie sehr sich Facebook als Clickbait-Plattform für Populismus etablierte.
  • Der Sandler, Markus Ostermair. 371 sehr starke Seiten mit einem Einblick in das Tabuthema der Obdachlosigkeit. Irgendwann rund ums dritte Viertel des Buches herum war es für mich streckenweise ein wenig langatmig, nichtsdestotrotz ein starkes und lesenswertes Buch.
  • Machen Sie mal zügig die Mitteltüren frei, Susanne Schmidt. 205 schnell zu lesende Seiten, die einen Einblick in die Welt der Berliner Verkehrsbetrieb geben, die laut der Autorin durchaus als mi­so­gyne und patriarchale Arbeitsumgebung verstanden werden darf. Ein netter Einblick in den Alltag einer Busfahrerin in Berlin.
  • Operation Crypto, Res Strehle. Eine 127 Seiten schlanke Aufarbeitung der Machenschaften der Zuger Firma CRYPTO AG. Wer sich für geschichtliche und politische Zusammenhänge interessiert, wird hier bedient. Danke auch für das Personenregister am Ende des Buches.
  • Meine Olympiade, Ilija Trojanow. Passend zu den olympischen Sommerspielen 2020 in Tokyo hat sich dieses Buch auf mein Bücherregal verirrt. Im Laufe von vier Jahren hat Trojanow alle achtzig Olympia-Sommer-Einzeldisziplinen trainiert, mit dem Ziel, halb so gut abzuschneiden, wie die jeweiligen GoldmedaillengewinnerInnen von von 2012 in London. Die 343 Seiten geben einen schönen Einblick in die Welt des Profisports, speziell auch in Sportarten, die weniger öffentliche Aufmerksamkeit erfahren (z.B. Omnium und Keirin). Nebenbei gibt es schöne Begriffe wie Hinterradlutscher.
  • 99 Fragen, Ralph Caspers. Auf 207 Seiten – links jeweils die Fragestellung, rechts Caspers Antworten bzw. Ausführungen dazu – gibt es 99 Fragen, die für Gespräche mit Kindern, bzw. innerhalb der Familie taugen sollen. Der Schreibstil ist großteils sehr flapsig, aber in einigen wenigen Antworten gab es auch Neuigkeiten zu lernen. Insgesamt aber verstecken sich einige wunderbare Kommunikationsstarter darin, und laden dazu ein, vom üblichen “wie war es in der Schule” auch mal abzuweichen. PS: Das Buch aus dem Duden-Verlag ist der Nachweis, dass auch dort das Thema Rechtschreib-/Grammatikfehler noch kein vollständig gelöstes Problem ist. :)
  • Die drei Kameradinnen, Shida Bazyar. Es geht um einen Brand, verknüpft mit den Themen Alltags-Rassismus, Othering und Einwanderung. Nicht leicht zu verdauen und anfangs durchaus interessant zu lesen, aber irgendwann waren mir die 350 Seiten dann leider zu ermüdend.
  • Logicomix, Apostolos Doxiadis + Christos H. Papadimitriou. Eine grafische Novelle mit 348 Seiten, die das Leben von u.a. Bertrand Russell, Ludwig Wittgenstein, Alfred North Whitehead leichthändig beleuchtet.
  • Der Buchspazierer, Carsten Henn. Eine schöne Geschichte rund um Bücher und das Lesen auf 224 Seiten.
  • Vom Aufstehen, Helga Schubert. Was für ein Meisterwerk von einem Buch, was für eine Lebensgeschichte. Eine Lebensrückschau, die einen Rückblick auf den DDR-Alltag und das Spannungsverhältnis zur eigenen Mutter umfasst. Eine ganz klare Leseempfehlung für diese 219 Seiten.
  • Die Geschichte von Herrn Sommer, Patrick Süskind. Eine wunderbare, 130 Seiten schlanke Geschichte. Die Leseempfehlung (danke Anita!) kann ich weitergeben.
  • 2001, Angela Lehner. Ich war von Angela Lehners “Vater unser” 2019 begeistert, daher waren diese 383 Seiten Pflichtprogramm für mich. Der Coming-of-age-Roman rund um die Generation Y hat mich in keinster Weise enttäuscht und war sehr unterhaltsam. Leseempfehlung.
  • Ein Leben voller Abzweigungen, Robert Fröwein. Der Autor befragt Taxi- bzw. Uber-Fahrer bei ihrer Arbeit zu dieser. Der Titel zu diesen 189 Seiten hat viel Potenzial versprochen, für mich aber leider nicht gehalten.
  • Literatur lesen, Terry Eagleton. In der deutschsprachigen Versionen bei Reclam erschienen, als solche aber leider nicht mehr verfügbar, daher entweder in einer Bibliothek ausborgen oder zum englischsprachigen Original (How to Read Literature) greifen. Die 253 Seiten haben mich der britischen Literatur und deren Bedeutungsebenen ein Stück näher gebracht und meinen Blick für die Interpretation von Texten ein wenig geschärft, besonders das letzte Kapitel “Werturteile” fand ich erkenntnisreich.
  • Beethoven, Erich Valentin. Diese ca. 133 Seiten schlanke Bildbiographie erschien im Jahr 1957 und ist leider ebenfalls nur mehr auf dem Gebraucht-Markt bzw. in Bibliotheken zu bekommen. Das Alter merkt man dem Buch auf vielen Ebenen an, das hat aber durchaus seinen Charme (inklusive schöner Sätze wie “Eine goldene Ausnahme war die gute Haushälterin Sali, die ebenso in die Beethoven-Geschichte eingegangen ist wie die »Frau Schnaps«, die »schnellsegelnde Fregatte«.”). Alleinstehend gelesen würde mir mit nur diesem Buch der Blick fürs große Ganze fehlen, aber gemeinsam mit anderen Werken war es eine nette Ergänzung.
  • Machtverfall, Robin Alexander. Auf 378 Seiten gibt es einen Einblick in den politischen Betrieb rund um Angela Merkel. In Dokutainment-Form liest sich das Buch wie ein Politik-Krimi. Das Buch ist 2021 brandaktuell, es startet mit der Wahl von Trump 2017 und geht bis in den April 2021 hinein, behandelt entsprechend die Nachfolge-Suche für Merkel, aber auch die Corona-Politik wird beleuchtet. Gegen Ende hin lässt das Buch für mich ein wenig nach, aber im Kontext der Wahl des deutschen Bundestags am 26. September 2021 war dieses Buch eine sehr gute Lektüre. Für Politikinteressierte ist das Buch absolut empfehlenswert.
  • Marzahn, mon amour, Katja Oskamp. Die Autorin wird in ihrer Midlife-Crisis Fußpflegerin in Berlin-Marzahn, und man darf ihr dabei 143 Seiten lang folgen. Durchwegs sympathisch.
  • Die Wahrheit über das Lügen, Benedict Wells. Zehn Kurzgeschichten auf 244 Seiten, die nur so flutschen. Unterhaltsam, überraschend und abwechslungsreich – und all das in einen wunderbaren Schreibstil verpackt – Leseempfehlung.
  • Das Dämmern der Welt, Werner Herzog. Der japanische Soldat Onoda Hirō bekommt das Ende des zweiten Weltkriegs auf der philippinischen Insel Lubang nicht mit bzw. will es nicht wahrhaben, und kämpft knapp 3 Jahrzehnte noch weiter im Glauben, dass der Weltkrieg noch nicht beendet wurde. Ein gedankenanregender Ausflug in den Dschungel auf 127 Seiten.
  • Alte Meister, Nicolas Mahler. Wieder eine Leihgabe eines Nachbars (danke C.!). Unterhaltsame 158 Seiten, die das Werk Thomas Bernhards in einer grafischen Novelle interpretieren.
  • Der Mann ohne Eigenschaften, Nicolas Mahler. Noch eine Leihgabe eines Nachbars (danke C.!). 156 Seiten, die das unvollendete Werk Robert Musils in einer grafischen Novelle wiedergeben, allerdings ist der Unterhaltungswert speziell in diesem Fall ohne Kennt­nis des Originalwerks überschaubar.

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